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(Un-)Worte des Jahres 2016

Alljährlich werden aus Tausenden Vorschlägen Wörter und Wendungen heraus gesucht, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben sprachlich besonders bestimmt haben und angeblich Auskunft über die Befindlichkeit einer Nation geben. Für die Auswahl entscheidend ist nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks, sondern vielmehr seine Signifikanz, Popularität und sprachliche Qualität. 

Da es in politischen und gesellschaftlichen Diskussionen angeblich zunehmend um Emotionen anstelle von Fakten gehe, ist dieses Jahr der Begriff „postfaktisch“ von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gekürt worden, denn das das Wort stehe für einen tiefgreifenden politischen Wandel. „Postfaktisch“ hatte es vor kurzem in der Übersetzung „post-truth“ schon zum „International Word of the Year“ 2016 gebracht. Auf Platz zwei landete das Kunstwort „Brexit“, mit dem der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) bezeichnet wird. Das vorangegangene Referendum sei zugleich ein „Triumph postfaktischer Politik“ gewesen, denn die Befürworter seien mit zum Teil gezielten Fehlinformationen vorgegangen. Als drittes rangiert der Begriff „Silvesternacht“, mit dem nach den massenhaften Übergriffen auf Frauen (vor allem in Köln) nun neue, unerfreuliche Assoziationen verbunden seien. Auch das das Jugendwort des Jahres 2016 wurde gekürt: "Fly sein" setzte sich gegen Konkurrenten wie "isso", "Vollpfostenantenne", Tindergarten und Hopfensmoothie durch und bedeutet jemand oder etwas "geht besonders ab".

Auch die Aktion Unwort des Jahres soll das Bewusstsein und die Sensibiltät für Sprache fördern. Die Jury nimmt bei ihren Entscheidungen sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch in den Blick, um damit zu alltäglicher sprachkritischer Reflexion aufzufordern. Somit wurde der Begriff Volksverräter das Unwort des Jahres 2016, weil es ein „Erbe von Diktaturen“ u. a. der Nationalsozialisten, sei.

Als "Anglizismus des Jahres" wurde der Ausdruck "Fake News" gewählt, zu dem es keine deutsche Entsprechung gibt, da Falschmeldung nicht zwischen bewusster Irreführung und echten Fehlern unterscheidet. Auf Platz 2 und 3 folgen die Substantive "Darknet" und "Hate Speech".
 
 
Das österreichische Wort des Jahres 2016 ist ebenso lang wie das Phänomen, das damit bezeichnet wurde: Die WählerInnen hätten das „anschauliche“ Wort „Bundespräsidentenstichwahlwiederholungsverschiebung“ (51 Buchstaben!) mit deutlicher Mehrheit an die erste Stelle gesetzt, teilte die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch in Graz der Presse mit. Das Wort sei "sowohl inhaltlich als auch aufgrund seiner Länge ein Sinnbild und ironischer Kommentar für die politischen Ereignisse dieses Jahres, das vom überaus langen Wahlkampf für die Bundespräsidentenwahl, der Anfechtung der Stichwahl, deren Wiederholung und zusätzlich auch noch von der Verschiebung derselben gekennzeichnet ist", begründete die Fachjury. Sprachlich zeige es auch sehr gut eine Eigenart der deutschen Sprache, in der beliebig viele Substantive aneinandergereiht und so neue Wörter gebildet werden können, deren Länge praktisch unbegrenzt ist. Auch die weiteren Plätze waren von der Präsidentenwahl beeinflusst: Rang zwei ging an "Bundesheinzi", Rang drei belegte "arschknapp". Der Spruch des Jahres hat ebenfalls die Länge der Wahl zum Thema: „Bundespräsidentenwahl 2016-2019: Ich war dabei!“.
Das österreichische Jugendwort des Jahres ist eigentlich ein Satz, nämlich: "Was ist das für 1 Life". Dies sei ein in sozialen Medien weitverbreiteter Ausdruck. Von den Jugendlichen wird damit eine gewisse resignative Grundhaltung zum Leben ausgedrückt, das oft als mühsam, stressig und als wenig hoffnungsvoll empfunden wird", urteilte die Jury.
Zum Unwort des Jahres 2016 wurde in Österreich "Öxit" gewählt. "Hierbei handelt sich es sich um eine unreflektierte Analogiebildung zu 'Grexit' bzw. 'Brexit', das in den Medien den früheren Ausdruck 'Austritt aus der EU' ersetzt hat. Zum Unwort wird es vor allem durch seine unreflektierte und häufige Verwendung, was vorhandene Tendenzen und Bestrebungen verstärkt und den Austritt aus der EU gewissermaßen herbeiredet, obwohl es seitens der Bevölkerung dazu keine Mehrheit gibt", so die Jury. Auf dem zweiten Platz landete "Asylobergrenze", gefolgt von "Willkommensklatscher" auf dem dritten Rang.                                                          
(ke)

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